Ich lese gerade das neue Buch von Miriam Meckel "Brief an mein Leben". Meckel thematisiert in diesem Buch Ihr gerade überwundenes Burnout-Syndrom. Das Buch entstand während Ihrer Therapie im Allgäu und gibt, soweit ich das bislang beurteilen kann, tiefe Einblick in die seelischen Empfindungen während dieser Krankheit.
Aber um das Buch soll es hier im Detail gar nicht gehen. Da ich bis jetzt lediglich die ersten paar Seiten gelesen habe, kann ich hier noch nicht so viel über den generellen Inhalt sagen. Mir geht es hier nur kurz darum, die Qualität der deutschen Rhetorik hervorzuheben, wenn sie denn richtig gelebt bzw. in vollen Zügen niedergeschrieben wird.
Aufmerksam wurde ich auf das Buch nämlich durch eine ganzseitige Buchkritik in der Süddeutschen vor zwei Wochen, in der bereits eine Textstelle aus ihrem dritten Kapitel zitiert wird. Hier vergleicht Meckel den neu-deutschen Begriff des Burnouts mit einer Textstelle aus Thomas Manns "Buddenbrocks". In der SZ nur in Teilen zitiert, habe ich eben die gesamte Passage gelesen und mir wurde klar, welche Rückschritte wir in der neuen deutschen Sprache doch machen.
Am besten versteht man es glaube ich, wenn ich das Zitat einfach auch hier anführe. Laut Miriam Meckel beschreibt Mann das Burnout mit folgendem Satz bereits 1901 mehr als treffsicher und detailliert, als er seinem Antihelden Thomas Buddenbrock folgendes bescheinigt:
"Der gänzliche Mangel eines aufrichtigen feurigen Interesses, das ihn in Anspruch genommen hätte, die Verarmung und Verödung seines Inneren - eine Verödung, so stark, dass sie sich fast unablässig als ein unbestimmt lastender Gram fühlbar machte - verbunden mit einer unerbittlichen inneren Verpflichtung und zähen Entschlossenheit, um jeden Preis würdig zu repräsentieren, seine Hinfälligkeit mit allen Mitteln zu verstecken und die 'Dehors' zu wahren, hatte dies aus seinem Dasein gemacht, hatte es künstlich, bewusst, gezwungen gemacht und bewirkt, dass jedes Wort, jede Bewegung, jede geringste Aktion unter Menschen zu einer anstrengenden und aufreibenden Spielerei geworden war."
Alter, ey! Das ist krass deutsch, ne? Und damit "Gute Nacht"!
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